Verirrt?

Die richtige Berufswahl ist hinsichtlich Schwierigkeitsgrad und Tragweite gut vergleichbar mit der Wahl des richtigen Lebenspartners, und auch ansonsten gibt es eine Menge weiterer Parallelen: Hier wie dort sollte die erste kleine Unzufrie­denheit kein Grund sein, sofort alles "hinzuschmeißen". Ein dauerhaftes Leben mit einer falschen Wahl wird aber irgendwann unerträglich. Aus Angst vor den schmerzlichen Korrekturen wird der Neubeginn nicht selten auf die lange Bank geschoben.

Obwohl die Korrektur einer Berufswahl weitaus weniger tragisch ist, geschieht sie im Vergleich zu Scheidungen und Trennun­gen von Lebenspartnern ungleich seltener. Ursache dafür sind oft Durchhalte­parolen aus dem Eltern­haus, die sich als fatal erweisen können: Wenn ein Auslern­ergebnis im unpassenden Beruf ein oder zwei Noten schlechter ausfällt als es bei optimaler Berufswahl möglich wäre, kann dies die Chancen am Arbeitsmarkt schon deutlich verschlechtern. Einer "Vier" unter einem Facharbeiter- oder Gesellenbrief kann man meistens gleich das Wörtchen "Hartz" voranstellen..... Nach einer abgeschlos­senen Erstausbildung ist es ziemlich aussichtslos, einen Ausbildungsplatz für eine Zweitausbildung zu erhalten; Leistungen von der Agentur für Arbeit für eine Umschulung gibt es nur bei nachgewiesener Berufs­unfähigkeit zum Beispiel auf Grund von Allergien!

Wer also nach einigen Monaten Ausbildungszeit bei ehrlicher Betrachtung keinen Spaß an seinen Ausbildungsinhalten und den absehbaren Berufsinhalten verspürt, sollte entschlossen und zielgerichtet handeln nach dem Motto: "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende"! Das gleiche gilt für den Fall, wenn man bei sich doch nicht das erforderliche Talent für diesen Beruf feststellen kann. Eine bis maximal drei Kurskorrekturen im beruflichen Werdegang werden kaum zum Problem im Lebenslauf, wenn sie konsequent umgesetzt und eventuelle Wartezeiten dazwischen sinnvoll genutzt werden. Berufswahlkorrek­turen sind unter solchen Umständen durchaus positiv zu werten und sind ein neues Puzzle-Teil für die nächsten Bewerbungen, in deren Anschreiben sie ehrlich angesprochen und kommentiert werden sollten.